Barkley Marathons Ultratrail

Der Mythos unter den Ultraläufen. Der Barkley Marathon (#BM100). Jedes Jahr wieder, im März oder April, startet eines der berüchtigtsten Ultras in der Szene. Im Frozen Head State Park in Tennessee triffst sich eine verrückte Gruppe an Ausdauer-Eliten zu diesem exklusiven Event, welches seit dem Start des Formats zwar schon über 1000 Teilnehmer*innen hatte, jedoch lediglich 15 Finisher.

Durch den immer populärer werdenden Sport des Laufens und der Ultraläufe (Distanzen, die über einen normalen Marathon von 42km hinausgehen), sprießen diverse Laufformate aus dem Boden. Es gibt immer mehr Hindernisläufe, wie den Tough Mudder, bei welchen sich Teams bilden und gemeinsam Hindernisse, wie Mauern und Gräben voll Schlamm durchrobben. Später werden dann Fotos gemacht und gemeinsam Bier getrunken. Der Barkley ist jedoch ein völlig anderes Biest und ein paar Monate im Fitnessstudio und vereinzelnde Läufe bei Nieselregen die bis zu 10 oder 15km gehen reichen hier zu einer Vorbereitung bei weitem nicht aus. Bei weitem nicht.

Beine eines Barkley Marathon Läufers (Bild: Redbull)

Das Format

Ausgedacht hat sich dieses Format der legendäre Race-Director Lazarus Lake (Gary Cantrell). Lazarus ist neben dem langjährigen BM100 auch Veranstalter seines eigenen „Last-Men-Standing“ Ultras im eigenen Garten. Zuletzt starteten eine Reihe Läufereliten im Oktober 2020 beim „Big’s Backyard Ultra„.

Lazarus Lake (Bild: Redbull)

Der erste Barkley startete 1986 und wird seitdem jährlich ausgetragen. Eine Medienübertragung ist nicht erlaubt und es gibt nur einzelne Quellen, die über das Event berichten (dürfen). Die Idee entstand durch den Ausbruchsversuch von James Earl Ray, dem Attentäter von Martin Luther King Jr., welcher 1977 versuchte aus dem Brushy Mountain State Gefängnis zu fliehen. Er schaffte es 13km zurückzulegen und brauchte dafür 55 Stunden in den Wäldern vom Frozen Head State Park. Laz sagte er könnte wohl mindestens 100 Meilen in der Zeit laufen und der Barkley, welcher nach einem Freund von Laz benannt wurde war geboren.

Der Barkley beginnt also mit einem schier unmöglichen Bewerbungsprozess, der geheim und kompliziert sein soll. Man muss viele Informationen über sich preisgeben und einen Motivationsessay darüber verfassen, warum man teilnehmen möchte. Hier scheitern wohl schon die Ersten, wobei es nicht an der Teilnahmegebühr liegen kann, da die wohl lediglich bei USD 1,60 liegt. Ergattert man einen Platz, ist das Segen und Flucht zugleich, was auch in dem Bestätigungspapier so notiert wird:
it is my unfortunate duty to inform you that your name has been selected for the 2016 barkley marathons, to be held on april 2-4, 2016, at frozen head state park, in the state of tennessee, usa.“ (Nachricht von Laz an Gary Robbins, Teilnehmer von mehreren Barkleys und schillernde Persönlichkeit rund um diesen berühmten Lauf). Angekommen im Frozen Head State Park, muss ein ein Autoschild bei der Registrierung von seinem Wohnort/Land abgeben. Man bekommt Zeit die Karten zu studieren und wartet auf den Moment, bei welchem Laz in eine Muschel bläst. Dies kann jederzeit (auch tief in der Nacht geschehen). Die Wetterverhältnisse reichen von Schnee, Hagel, über starkem Regen, Wind und Gewitter bis hin zu glühend heißen Tagen. Wird nun die Muschel geblasen hat man eine Stunde Zeit, sich auf den Start vorzubereiten. Am gelben Tor wartet Laz und wenn er sich die Zigarette anzündet, startet das Rennen.

Twitterprofil von Keith Dunn – Start des BM100 2021

Man muss nun nur mit einer einfachen Uhr bewaffnet durch den riesengroßen Park, voll von Dornen, hohen Bergen, reißenden Bächen und unwegsamen Gelände laufen und Bücher suchen. Ja, Bücher. Diese Bücher liegen verteilt in dem Park und wenn man Glück hat findet man eines und reißt die Seite aus, welche seiner Startnummer entspricht.

The Yellow Gate at Frozen Head State Park – die Startlinie des Barkley Marathons

Hat man die Seiten eingesammelt geht es wieder zurück zum Ausgangspunkt und gibt sie ab und schließt damit einen sogenannten Loop ab. So weit, so gut. Halb so wild. Eigentlich. Denn ein Loop hat normalerweise eine Distanz von ungefähr 42km und man muss insgesamt 5 von diesen laufen und die Bücher finden. Manche sagen, dass die 5 Loops insgesamt sich zu einer Länge von 210km addieren. Außerdem läuft die Zeit einem davon, denn man hat nur eine bestimmte Zeit für einen Loop und auch eine bestimmte Zeit für alle 5 Loops, maximal 60 Stunden. Das alleine öffnet einem schon den Mund: 60 Stunden laufen…? Nun, dazu kommt noch, dass es insgesamt ca. 16.500 Höhenmeter zu überwinden gilt (der Mount Everest ist ca. 8.887m hoch…). Schafft man es 2 Loops zu finishen hat man immerhin den „fun run“ abgeschlossen, was so bei ca. 130km liegen dürfte. Als Sahnehäubchen ist dann der letzten Loop auch noch in die entgegengesetzte Richtung zu laufen.

Puuhh, all das beschreibt natürlich nur ein Bruchteil von dem, was der Barkley wirklich ist.

Wer mehr wissen möchte tut dies am besten mit folgenden Quellen:

Dokumentation über Gary Robbins und seine Teilnahme am BM100 2017 (by Gingerrunner)
Dem Twitter-Profil, welches als eines der wenigen jeder Jahr über den BM100 berichtet.
Trailer zur Dokumentation: The Barkley Marathons: The Race That Eats Its Young

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